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Stummfilm belebt

Ein Stummfilm gilt in der heutigen Zeit schon als Anachronismus und so ist die Aufführung von „Metropolis“ am 7. Dezember IM Haus der Begegnung zu mindestens vordergründig als mutig zu betrachten. Und doch sind mehr als vierzig Besucher der Einladung des Trios „Tempo Nuovo“ gefolgt. Die Meinungen der Gäste nach der Veranstaltung waren eindeutig: „Große Klasse“, „Beeindruckende Leistungen“ oder  „Super“ bewerteten sie den Abend.

Der Film selbst ist schon fast neunzig Jahre alt und zählt zum UNESCO Weltdokumentenerbe. Gedreht 1925/26 und ein Jahr später uraufgeführt, setzt er bereits damals Zeichen. Mit Drehkosten von ca. 5 Mio. Reichsmark war er damals der teuerste Film der deutschen Filmgeschichte. Trotzdem kam er bei Publikum und Kritik nicht an und die originalen Filmrollen wurden zum großen Teil vernichtet. Erst durch den Fund eine 16-mm Kopie in Argentinien im Jahre 2008 konnte eine dem Original sehr nahe Rekonstruktion erstellt werden, die bei der 60. Berlinale 2010 vorgestellt wurde.

Diese Version wurde auch im Haus der Begegnung gezeigt. Die Geschichte eine Liebe über festgefügte Standesgrenzen, über Konflikte zwischen den Arbeitern der Unterstadt, die für das süße Leben der Kapitalisten in der Oberstadt bis zur Erschöpfung an Maschinen arbeiten müssen, ist in dem Meisterwerk von Fritz Lang hervorragend umgesetzt. Allerdings entspricht der Film ganz und gar nicht heutigen Sehgewohnheiten. Lange Szenen und ein starkes, fast schon übertriebenes Ausdrücken der Gefühle durch Mimik und Gestik prägen den Film.

Dies ist natürlich darin begründet, dass es sich hier um einen Stummfilm handelt, in dem Dialoge höchstens einmal in Form von eingeblendeten Texttafeln auftreten. Auch fehlt dem Film an sich die Musik. Doch genau hier kam „Tempo Nuovo“ ins Spiel. Sie gaben dem Film zusätzliches Leben. Das Stummfilmtrio des Pianistenclubs München besteht aus Stephan Lanius (Kontrabass), Thomas Hüther (Flöte und Percussion) und Hans Wolf (Klavier). Mit diesen Instrumenten erzeugten sie die jeweils passende Stimmung zu den Bildern und gaben den Personen zusätzlich Charakter. Dabei scheuten sie sich auch nicht, ihre Instrumente kreativ einzusetzen. So nutzte Hans Wolf auch den Korpus des Flügels oder griff direkt an die Seiten in dessen Inneren. Man merkte den drei Musikern an, dass sie schon viele Jahre auf dem Gebiet der Stummfilmvertonung haben und dass sie sehr viel Spaß und Freude damit haben. Dass sie damit viel Erfolg beim Publikum hatten, zeigte sich an dem langanhaltenden Applaus und der hohen Spendenbereitschaft, denn es musste kein Eintritt für dieses Event bezahlt werden, es wurde lediglich um eine Spende gebeten.