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Eindrucksvolle Lesung

Der Schrannenboden des Heimatmuseums in Buchloe war am Samstagnachmittag bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Erwartungsvoll schauten die Gäste zu der kleinen Bühne, auf der Elisabeth Spies an einem kleinen Tisch saß. Auf diesem Tisch lagen einige ihrer Bücher, aus denen sie an diesem Abend vorlesen wollte.

Bei ihrer Vorstellung erzählte der Vorsitzende des Heimatvereins Buchloe, Herbert Sedlmair, dass Frau Spies die Anfrage nach einer Lesung sofort positiv beantwortet hatte. Dies ist aus mehreren Gründen sehr bemerkenswert. Einerseits darf die Autorin schon seit längerer Zeit ihren Ruhestand genießen und wohnt im Chiemgau. Andererseits ist Buchloe auf das Tiefste mit ihrem Leben verbunden. Hier lernte Sie 1956 Lorenz Spies kennen, den katholischen Stadtpfarrer. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Liebe, die stärker war, als alle Hindernisse, die sich ihr in den Weg stellte. Als sich Lorenz Spies nach 22 Jahren dafür entschied, die Beziehung durch eine standesamtliche Trauung zu manifestieren, wurde er dafür von der Kirche mit Strafen, u.a. der Exkommunikation, belegt. Mehr noch als die Strafen schmerzte aber, das sich auch Freunde von ihnen abwandten.

Ihre Lebensgeschichte spiegelt sich auch in ihren Werken wieder. „In den bewegten Jahren ihres Lebens war für Frau Spies die Dichtung ein heilsamer Rettungsanker,“ so Herbert Sedlmaier. Die Lesung begann mit einem Ausschnitt aus „Die schimmernde Schwelle“. Hier beschrieb sie wortgewaltig und doch zart und melancholisch die letzte Zeit mit ihrem Mann, als dieser schwer krank im Krankenhaus lag. Die Zuhörer waren von ihren Worten, die sie mit klarer, freundlicher und energetischer Stimme vorlas, eingefangen. Im Raum herrschte eine aufmerksame Stille, nur ab und an ein gedämpftes Räuspern oder Husten.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags las Elisabeth Spies aus ihren Lyrik-Bänden. Hier gab es einerseits wieder Gedichte, in denen sich Liebe mit Melancholie und einem Schuss Schwermut vermischten. Andererseits zeigte sie sich insbesondere in den Versen, die auf ihren Reisen entstanden, beispielsweise nach Irland, Südtirol oder Kreta als aufmerksame Beobachterin, die auch kleine Details wunderbar in ihre Werke einfließen lässt.

Abgerundet wurde die „Poetisch-Musikalische Stunde“ von Sylvia Götzfried und Dominik Eggensberger, die zwischen den Lesungsteilen Klarinette spielten. Dabei hatten sie Stücke ausgewählt, die sehr gut zur Stimmung dieses Nachmittags passten. Im Anschluss an die Lesung signierte Frau Spies ihre Bücher und viele Gäste blieben noch eine Weile um mit ihr oder untereinander die gewonnenen Eindrücke zu diskutieren.