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Historische Biergeschichten

Am 14. und 15. März verwandelte sich die Alpvilla sowohl in ein Wirtshaus als auch in eine Theaterbühne. „Willkommen zu unserem Spektakulum“ hieß es zu Beginn der Vorstellung, die hier als Wirtshausspektakel ihre Weltpremiere feierte. Mit „Anno 1516 – Die Geschichte vom Bairischen Bier“ erhielten die Gäste einen musikalischen Einblick in die Geschehnisse dieses Jahres, die einen bis heute wirkenden Einfluss auf die Zutaten des Bieres haben. 1516 war das Jahr, in dem die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. das Münchner Reinheitsgebot auch auf das Land ausdehnten.

Das Musical stammt aus der Feder von Sanni Risch, die mit Laien aus der Region schon seit einigen Jahren in Herrsching erfolgreich auftritt. Mit dem Wirthausspektakel wird nun ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erstmals wird die Bühne in die Wirtshäuser verlagert. So auch in der Alpvilla. Auf der regulären Bühne hatte das Volksmusical-Orchester Platz genommen. Das Musical an sich fand aber im gesamten Saal statt. In dessen Mitte stand leicht erhöht ein Wirtshaustisch, an dem die Hauptpersonen regelmäßig Stammtisch hielten. Brauer, Ortsvorsteher und Apotheker stießen hier gemeinsam mit dem „Bunten Mann“ auf den „Weltuntergang“ an und redeten über wichtige Ereignisse.

Der „Bunte Mann“, eine Art Narr und Possenreiter, stellte dabei die moralische Instanz dar. Frei von sämtlichen Ressentiments konnte er so gegen die unlautere Machenschaften von Pfarrer und Apotheker ins Feld ziehen konnte. Dabei nutze er mal derben Humor, mal feinsinnige und gefühlvolle Argumentationen und verband die einzelnen Teile der Geschichte als Erzähler.

Natürlich drehte sich (fast) alles um das Bier. Dem Brauer wachsen die Kosten für das Getreide über den Kopf. So ging er eine unselige Partnerschaft mit dem Apotheker ein, der den Sud mit verschiedenen Mitteln streckt. An den notwendigen Heilmitteln verdient er dann ordentlich. Auch der örtliche Pfarrer schreitet nicht dagegen ein, nachdem ihm der Lehrling des Apothekers gebeichtet hat. Er profitiert er ja davon, das einfache Volk dumm zu halten und kann das Resultat des gepanschten Biers als Strafe Gottes für ungezügeltes Feiern darstellen.

Durch den Rat des Ortsvorstehers und seiner starken Frau aber wird der Brauer überzeugt, reines Bier zu brauen und schließlich wird auch der Apotheker überführt und aus dem Dorf verbannt. Aufgelockert wurde die Geschichte immer wieder von Auftritten der Familie Gigl – einer Gauklerfamilie die mit Musik und Tanz für Unterhaltung sorgt.

Mit eingebunden in die Vorstellung waren historisches Essen und natürlich auch ein extra hergestelltes Bier. Dieses „Anno 1516 Bier“ wird nach dem Bairischen Reinheitsgebot in der Lindenbrauerei zu Mindelheim hergestellt und zu den Vorstellungen ausgeschenkt und war auch wirklich sehr lecker.

Passend zu Absicht von Sanni Risch des Volksmusicals bekamen die Gäste hier keine auf Hochglanz polierte Vorstellung zu sehen. Doch durch ihre Spielfreude und Begeisterung konnten die Mitwirkenden, wohlgemerkt alles Laien, die kleineren Schwächen mehr als nur kompensieren und erhielten am Ende ihren hochverdienten Applaus.