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Allgäu-Folk in Weicht

Im Gasthaus „Zur Krone“ in Weicht war kein Platz mehr frei. „Leider ausverkauft“ hieß es, wenn noch jemand ohne Reservierung in den Saal wollte, der mich ca. 150 Gästen gefüllt war. Grund für diesen Andrang war der gemeinsame Auftritt der Gruppe „Luderleabe“ und Johanna Hofbauer. Beide präsentierten ihr Programm in Mundart und transportierten schon damit jede Menge Allgäuer Heimatgefühl.

Auf der winzigen Bühne in der Ecke des Saals hatten nur Harald Probst, Kopf der Luderleabe und Johanna Hofbauer Platz. Die restlichen sieben Musikerinnen hatten sich mit ihren Instrumenten darum verteilt. Doch da die Gruppe am liebsten auf Kleinkunstbühnen und in Wirtshäusern auftritt, ist sie eine solche Enge gewohnt und ließ sich dadurch auch nicht davon abhalten, das Publikum zu begeistern.

Allgäu-Folk, so könnte man die Musik durchaus bezeichnen, die die acht Musiker mit Gitarre, Keyboard, Geigen, Cello, Akkordeon, Bass und Percussion dort präsentierten. Daneben kamen auch immer wieder einige ausgefallenere Instrumente, wie Hackbrett, Kochtopf oder auch ein Ast, zum Einsatz. Die Lieder, die alle aus der Feder von Harald Probst stammen, beleuchten dabei das Leben im Allgäu mal melancholisch, mal fröhlich,  oft mit einer gehörigen Portion hintersinnigen Humors.

So wird im Lied „Blitzkarriere“ der Bauer besungen, der kaum einen Tag verheiratet „bereits zweiter Chef“ ist. Gesellschaftskritik wie mit dem „I-Pod Jodler“ war genauso enthalten wie gefühlvolle Liebeslieder wie „Und wia i so gang“, das neben der besungenen Beziehung auch eine Liebeserklärung an das Allgäu und die Lebensart seiner Bewohner ist.

Johanna Hofbauer, als „eine Frau jenseits jeder Novemberdepression“ von Probst angekündigt, las aus ihren verschiedenen Büchern kleine Geschichten und Gedichte über Dinge, die das Leben so schreibt. Da war zum Beispiel die Einkaufsfahrt zu einen bekannten schwedischen Möbelhaus, die ob des großzügigen Einkaufs zu einer Heimfahrt im offen Cabrio führt – bei minus sieben Grad und Schneetreiben. Gerade, weil ein jeder im Saal die Situationen selbst kennt, die Hofbauer hier  überspitzt und pointiert darstellt, waren ihr die herzhaften Lacher sicher. So konnte sich auch jeder in die Situation an der Einreisekontrolle in London hineinversetzten, wo sie mit (selbst verschuldet) ungültigem Pass einreisen wollte. Noch dazu, wo ihr „Englisch ungefähr so gut ist wie ihr Hochdeutsch“.

Ludarleabe und Johanna Hofbauer wechselten sich mit ihren Darbietungen immer ab und gefielen dem Publikum so gut, dass dieses nach fast drei Stunden Programm mit viel Applaus vehement Zugaben einforderte, von denen es dann auch drei gab.