© 2012 . All rights reserved.

Kurt Kräss rezitiert Wilhelm Busch

Die Bühne im Dietrich-Bonhoefer-Haus in Buchloe war nur ganz dezent dekoriert – ein Tisch, ein Stuhl, ein paar Accessoires. Mehr brauchte es auch nicht, damit Dekan Kurt Kräss mit seinen Rezitationen von Wilhelm Busch das Publikum in seinen Bann ziehen konnte.
„Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“ – so lautet der Titel des Programms und des ersten Gedichtes, dem noch viele weitere folgen sollten. Kurt Kräss gelang es dabei wunderbar, seine Anmerkungen zu Wilhelm Busch und dessen Gedichte zu einem übergangslosen Gesamtkunstwerk zu verbinden.
Als Kind habe er gerne die Bildergeschichten angeschaut, so erklärte der Memminger Dekan, um sich später dann für den schwarzen Humor zu begeistern, der sich hinter den Bildern versteckte. Seine Vorliebe für diesen Humor zeigte er auch gleich bei der obligatorischen Erwähnung der biografischen Daten Buschs: „Geboren ist er in dem Jahr, in dem Goethe gestorben ist.“ – um dann nach dem „Bildungsbürger“ zu fragen, der die entsprechende Jahreszahl bereit hat.
Heinrich Christian Wilhelm Busch, so dessen kompletter Name, war ein genauer Beobachter seiner Zeit mit einem treffsicheren scharfen Blick. Dabei traf er die menschlichen Schwächen so gut, dass der Zuhörer auch heute noch neben dem Lachen zum Nachdenken angeregt wird.
Kurt Kräss erzählte vieles aus Buschs Lebensgeschichte, um auch den Hintergrund der Gedichte zu beleuchten. So erfuhren die Zuhörer, dass dieser über die Hälfte seines Lebens in Pfarrhäusern gewohnt hat, ein eher unerfülltes Liebesleben hatte, nie verheiratet war und dass Wilhelm Busch auch ein guter Maler war. Das alle lässt sich in den Versen wieder finden, sei es das kirchenkritische „Der heilige Antonius von Padua“, der „Maler Klecksel“ oder das „Klagelied eines Junggesellen“.
Die Rezitationen wurden musikalisch durch das Buchloer Gitarren-Ensemble eingerahmt. Zu fünft zeigten sie, dass auch die Gitarre ein „klassisches“ Musikinstrument ist und wunderbar harmonisch klingen kann.
Als Dank für den hervorragenden Abend überreichte Pfarrer Christian Fait seinem „Chef“ einen Präsentkorb mit allen nötigen Zutaten für Pfannkuchen. Auch diese standen in Zusammenhang mit einem Gedicht Wilhelm Buschs: „Pfannkuchen und Salat“, in dem all diese erwähnt wurden und dass von Pfarrer Fait hervorragend vorgetragen wurde.
Die Erlöse des Getränkeverkaufs und die Spenden des Abends gehen zu Gunsten des evangelischen Gemeindehauses in Buchloe.

Blogergänzungen

Ich habe mich an diesem Abend wirklich köstlich amüsiert. Kurt Kräss präsentierte die Verse in ein beeindruckenden Weise. Körpersprache, Mimik und Gestik waren eine Einheit und trugen zum Gesamterlebnis bei. Immer wieder hörte ich ein paar bekannte Zitate und dachte dann: „Ohh, das ist also auch von Wilhelm Busch“. Auch die Tatsache, dass Busch ein recht begabter Maler war, war mir völlig neu. Und so führte der Abend dazu, dass ich im Internet mir ein paar seiner Bilder angesehen habe und diese als Kunstlaie, der ich nun mal bin, recht beeindruckend finde.
Ich hätte mir noch etwas mehr Zuhörer gewünscht, den leider war der Saal nur zu ca. zwei Dritteln gefüllt.