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„Das wird teuer!“ – Thilo Seibel in Kaufbeuren

Die aktuelle politische Situation stellt für einen Kabarettisten ein Füllhorn der Ideen dar, aus dem es gilt, eine gute Auswahl zu treffen. Dies gilt auch für Thilo Seibel, der „zusammen“ mit seinem Alter Ego Harry Meissner am 30. Oktober auf der Kellerbühne des Kulturvereins Podium in Kaufleuten ein Gastspiel gab. Seibel, der vor einigen Jahren schon einmal zu Gast war, begrüßte das Publikum mit den wichtigsten Veränderungen, die ihm aufgefallen sind – das fehlende Parkhaus und dass „überall sonst protestiert wird, wenn etwas hin soll, wie bei Stuttgart 21, hier wird protestiert, dass etwas weg soll – die Bundeswehr. “
Seibel führte sein brandneues Programm auf, das erst eine Woche zuvor in Köln Premiere hatte. „Das wird teuer – ein Polit-Handwerker greift durch“ – und der Name ist hier gleich doppelt Programm. Euro-Rettung, Ratingagenturen und Atomausstieg, Bildungskrise, Dioxinskandal und Verbraucherschutz – „Das wird teuer!“
Thilo Seibel „führt durch die Welt der politischen Fehl-entscheidungen.“ Als Unterstützung und manchmal auch als Kontrapunkt kommt Harry Meissner, seit 10 Jahren Installateur im Regierungs-viertel, auf die Bühne. „Dirty Harry“, der auch mal bei Angela Merkel unter der Spüle liegt und dabei so einiges mitbekommt, hat dann die pragmatische Lösung für alle Probleme und bietet sich auch mal als Berater für die Kanzlerin an.
Handwerker und Politiker, das sind für den gebürtigen Münchner und jetzigen Wahlkölner die zwei Extreme der Gesellschaft. „Das wird teuer!“ Diesen Satz hört man zwar von beiden, aber der eine sagt es vor der Arbeit und der andere erst nach der Wahl.
Seine Abrechnung mit den Politikern war immer bissig und zuweilen recht derb, wenn er zum Beispiel die Glaubwürdigkeit der CSU beim Atomausstieg auf die gleiche Ebene wie „Bischof Mixa beim Kinderschutzbund“ stellt oder Volker Kauder „als Erfinder der sinnlosen Aussagen, also des Kauder-Welsch“ bezeichnete.
Politisches Kabarett ist sicherlich eine der schwersten Disziplinen in der Kleinkunst und erfordern viel Mitdenken beim Publikum. Mit Ausnahme einiger weniger Längen gelang es Thilo Seibel die ca. 60 Gäste des Abends gut zu unterhalten und ab und zu auch mal den Finger in eine Wunde zu legen. So traf er exakt den Nerv des Publikums als er über die Probleme der Generation 39+ mit dem Älterwerden und dem Umgang mit der modernen Technik philosophierte.
Am meisten Applaus bekam er aber für seine gelungenen Imitationen verschiedener Persönlichkeiten von Angela Merkel über Heinz Rühmann und Bruce Willis bis zu Günther Oettinger, dessen „English für Runaways“ immer wieder für Begeisterung sorgten.